Hier können sie die Mails, die von Bord der LaMedianoche während der ARC 2011 und auf dem Weg dorthin gesendet wurden, nachlesen. Zusammen mit unserem Positionsreport können sich die Daheimgebliebenen mit uns an der Reise in die Karibik freuen und daran teilhaben. Viel Spaß!
2.1.2010 Tobago Keys
In der Karibik angekommen sind wir jetzt. Nachdem wir die Eindrücke der
Atlantiküberquerung verarbeitet haben, zeigt sich die Karibik, wie wir sie uns
vorgestellt haben. Türkisblaues Wasser, Menschen die fast ausnahmslos gut drauf
sind, Baden, Schnorcheln, Tauchen und Segeln zwischen wunderschönen Inseln.
Jede Insel hat dabei ihr eigenes Gesicht. Manche sind unter ihren Bäumen und
Büschen kaum zu finden, wenn da die Strände nicht wären. Andere wiederum sind
eher trocken, dafür aber mit riesigen Riffen umgeben, als wollten sie auf der
Beliebtheitsskala unbedingt mithalten. Durch die Straßen der kleinen Orte zu
laufen, bedeutet unzählige Male einen schönen Tag gewünscht zu bekommen. Und
das mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Eine ganz neue Erfahrung. Schnell lässt
man sich von dieser Lebensart anstecken und wandert viel öfter mit einem
Lächeln durch die Gegend. Vielleicht ein neues Modell für unsere Krankenkassen.
Und außerdem viel billiger als eine langwierige Therapie.
10.11.2009 Las Palmas de Gran Canaria
Wieder ein Abschied mit feuchten Augen und einer Überfahrt
nach Gran Canaria die nicht weniger „feucht“ verlief. Mit Windstärke 7 und vier
Meter hohen Wellen haben wir auch diese Hürde genommen und sind wohlbehalten im
Hafen Vela Latina eingelaufen. Hier wimmelt es schon von Katamaranen und
Segelyachten, die alle über den „großen Teich“ in die Karibik fahren werden.
Die Stimmung ist toll; Menschen verschiedener Nationen mit unterschiedlichen
Geschichten und teilweise „interessanten“ Schiffen trifft man in der „Sailor
Bar“. Dort herrscht täglich ein reger Betrieb und ist auch Treffpunkt von
jungen Leuten, die noch auf der Suche nach einem Schiff sind, dass sie mit
rüber nimmt. Am Montag war die Begrüßungsparty in der ARC-Bar, wo wir schon mal
einen „Rundumblick“ auf die Menschen werfen konnten, die uns begleiten werden.
In den nächsten Wochen finden hier diverse Veranstaltungen statt was die
Sicherheit an Bord, Verproviantierung, Erste Hilfe usw. angeht und natürlich
auch immer wieder Partys...
Wir tauchen jetzt ein in diese Atmosphäre, werden die
Gelegenheiten nutzen, um die Stimmung zu erleben und die Vorfreude auf die
Karibik kommen lassen…
02.10.2009 La Gomera
Wir haben es geschafft, glücklich und etwas aufgeregt laufen
wir in den Hafen von San Sebastian auf La Gomera ein. Unsere Freunde erwarten uns bereits an der
Pier und winken wie verrückt. Inge, vor
lauter Vorfreude in die Gegend rumguckend, nimmt sie erst gar nicht wahr, bis
sie die Bewegungen an der Hafenmole bemerkt. Und dann werden auch schon die
Augen feucht vor lauter Glückseligkeit. Sie kann es kaum erwarten, dass das
Schiff endlich fest vertäut ist und wir von Bord gehen können bzw. unsere
Freunde an Bord kommen. Aber dann, herzliche Umarmungen, Küsse und immer wieder
frohes Lachen über das Wiedersehen. Dann
die Begeisterung über das Schiff, ein Oh und Ah und viele viele Fragen…
Mittlerweile sind 14 Tage vergangen und uns kommt es vor,
als wären es viel weniger. Wir genießen die Zeit an Land mit unseren Freunden,
die Begegnungen und Bekanntschaften von netten Leuten im Hafen und natürlich
den Sommer, das Essen und den Wein. Wir
werden aus diesen Begegnungen einiges mit auf unsere Reise nehmen und sind um
viele Erfahrungen reicher geworden.
Gerade jetzt haben unsere netten Nachbarn, auch mit eigenem Katamaran
auf Weltreise, uns zum Espresso eingeladen … es macht Spaß hier zu sein…
27.09.2009 Madeira
Madeira war für uns ein kurzer Aufenthalt auf dem Weg zu
den Kanaren. Durch die vorhergesagte Flaute wurde er dann aber nur noch zum
Zwischenstopp. Schade, denn Madeira und Porto Santo haben uns sehr gut
gefallen. Beim Einklarieren (Porto Santo ist eine europäische Außengrenze)
erlebten wir, wie der portugiesische Zollbeamte sich über sein spartanisch
eingerichtetes Büro lustig machte; eine Art Humor den wir bis dahin nicht
erfahren haben. Sehr amüsant! Das Hafengebiet von Porto Santo sah auf den
ersten Blick nicht so vielversprechend aus. Da wir unserem Gaumen aber etwas
Gutes tun wollten, liefen wir direkt ins Zentrum. In dem dort gut
besetzten Restaurant ertrugen wir es mit Humor, dass das Essen (außer die
Vorspeisen) dem Standard einer Imbissbude glich, besser gesagt einer ganz
schlechten Imbissbude. Dafür war das „Stadtzentrum“ sehr schön und liebevoll
restauriert bzw. verschönert worden. Am nächsten Morgen bekamen wir Besuch
von Dieter. Er leitet den Trans Ocean Stützpunkt auf Porto Santo. Seine
Geschichten über die Insel und deren Bewohner waren sehr unterhaltsam und
interessant. Wir erlebten einen Menschen, der dort seine Heimat gefunden hat.
Seine Zufriedenheit darüber berührte uns. Ihn „berührte“ unser Erlebnis mit
der „Imbissbude“. Er gab uns den Tipp, im örtlichen Yachtclub, 200 m von der
Hafenmole entfernt, zu essen. Von außen kaum wahrnehmbar, von innen eine Oase
zum Wohlfühlen, wir waren „Baff“. Das Essen war Spitzenklasse, die Weinkarte
ausgezeichnet und das Ambiente einfach toll. An dieser Stelle lieber Dieter,
vielen Dank für diesen Tipp! Auch auf Madeira Grande, wie die Portugiesen ihre
Blumeninsel nennen, ist die Freundlichkeit und das Lächeln der Portugiesen allgegenwärtig.
Der Service in der Marina „Quinta da Lorde“ ist wohl der Beste, den wir bisher
erlebt haben. Hier wird Gastfreundschaft gelebt und man ist nicht nur
geduldet. Schade, wir wären gerne länger geblieben!
23.09.2009 Irgendwo zwischen Lissabon und Madeira
Die Sonne geht gerade am Horizont auf und schiebt die mondlose Nacht beiseite. Keine Angst, so geht's nicht weiter. Bis auf die Insel Porto Santo sind es noch knapp 200 Seemeilen (360 km). Wir freuen uns schon tierisch auf das Baden im endlich warmen Wasser. Bisher war der Atlantik, für ein Weichei wie mich, viel zu Kalt. Zwischen 13 und 18 °C. Mehr war nicht drin. Doch sehr schnell nach dem Auslaufen aus Lissabon stiegen die Wassertemperaturen auf über 24 °C an. Nun sind Luft und Wasser auf einem Niveau und damit gehört auch der Zwiebellook für die Nachtwachen der Vergangenheit an. Wir genießen es, im Trampolin zu sitzen, den Delfinen zuzuschauen, oder einfach nur da zu sitzen.
Heute Abend soll es eigentlich frischen Tunfisch geben. Nur haben wir das noch nicht so richtig mit dem Fisch geklärt. Zur Zeit weigert er sich beharrlich, eine Einheit mit der Angel zu bilden - Speisen á la Karte. Man muß nur die Karte etwas manipulieren.
Das nächste Mal denn wohl von Madeira. (Die haben Super Fischläden)
19.09.2009 Die Küste von Portugal
Wir segeln weiter Richtung Süden. Das gute Wetter lässt auf sich warten, immer noch tragen wir Segelklamotten. Der Wind will sich auch nicht so richtig auf´s Segeln einstellen, wir motoren wieder mal bei 2 Bft. Dafür sind wir in Begleitung einer großen „Delphinfamilie“, die uns und unser Schiff von allen Seiten umkreist und ihren Spaß daran findet, vor unseren Bugs zu schwimmen. Das war ein wunderbares Erlebnis. Ich konnte kaum aufhören mich zu freuen, weil diese Tiere so amüsant sind und ihre positive Ausstrahlung wie Balsam für die Seele ist. In diesen Momenten kam mir schon mal der Gedanke, vielleicht mal ne´Runde mitzuschwimmen!?
Auch in den folgenden Tagen war unser Schiff immer wieder Treffpunkt der verspielten Delphine. Hinzu kam, dass Krebse (welcher Art auch immer) irgendwie auf der Reise nach… (wissen wir auch nicht) waren und Tausende an unserem Schiff vorbeischwammen bzw. durch die Strömung „vorbeigeschwommen“ wurden. Hätten wir den Kescher rausgehalten, wäre dieser voll, nur liegt uns die Art der Zubereitung von solchen Exemplaren im kochenden Salzwasser nicht so am Herzen bzw. am Magen, also haben wir den „Zug der Krebse“ an uns vorbeirauschen lassen.
Heute haben wir den Hafen von Oeiras erreicht, dieser liegt kurz vor Lissabon und wir werden den Aufenthalt mit Landgängen und Einkaufsbummel genießen, bevor unser Törn am 21. nach Madeira weitergeht.
11.09.2009 La Coruña

Wir haben es geschafft, die Biskaya liegt in unserem
Kielwasser. Ganz alleine waren wir dabei auch nicht, wie man auf dem Bild sehen
kann. Ein kleiner Vogel war dankbar über die Verschnaufpause, die er auf
unserer Reling nehmen konnte. Alles fing so ruhig an. In Bénodet war von Wind
noch nichts zu spüren. Die Wetterberichte verhießen aber 5-6 Windstärken von
achtern und 2-3 Meter Wellen. Eine prima Rauschefahrt stand uns bevor. Es
begann dann auch bald mit den vorhergesagten Wetterbedingungen. Nur hatte wohl
keiner mit Petrus über die Obergrenze gesprochen. 6 Bft gab es dann auch, aber
als scheinbaren Wind. Nun hatten wir den Parasailor oben und mit unseren 10-12 Knoten
Fahrt wurde es dann in der Nacht doch etwas anstrengend. Wir bargen das fast
170 m² große Segel dann unter einigen Anstrengungen und setzten die Fahrt zwar langsamer,
aber unter Genua wesentlich entspannter fort. Jetzt war auch mal an Schlafen zu
denken. Die Wellen haben sich dann auch auf den letzten 20 sm von 4-5m auf die
vorhergesagten 2-3 Meter reduziert. Schön, wenn der Schmerz nachläßt. Die Biskaya
ist eben kein Kaffeesegelrevier. Nun liegen wir hier in La Coruña, genießen
Sonne, Tapas und ein ruhiges Bett.
06.09.2009, Bénodet

Auf dem Weg von Guernsey nach Brest
haben wir keinen Hafen mehr angelaufen, da man in dieser Ecke Frankreichs
bemüht ist, die Liegegebühren denen von Mallorca anzupassen. 84,--Euro in
Dieppe war bisher der Gewinner.
Nach einer Nacht in Brest verlegen wir nach Camaret-sur-Mer, um dort das
richtige Wetter für`s Raz de Sein abzuwarten. Hier steht der wohl bekannteste
Leuchtturm "La Platte", am Eingang zur Biskaya. Wer hat dieses Bild
nicht schon mal gesehen oder sogar im Wohnzimmer hängen; das Schauspiel der Naturgewalten,
"haushohe" Wellen die sich am Leuchtturm brechen.
Wir wollten es aber dann doch lieber etwas unspektakulärer, was dank guter
Tidenberechnung und stimmender Wettervorhersage, geglückt ist.
In dem kleinen Städtchen Bénodet am Unterlauf des Flusses L`odet schlafen wir
nochmal aus, um dann vermutlich am Dienstag Richtung Biskaya zu segeln.
Hier liegen hunderte von Booten an Mooringtonnen, die sich dann, wie viele
kleine Zeiger, mit dem Verlauf der Tide drehen. Ein einmaliges Schauspiel!
Drückt uns die Daumen für gutes Wetter...
30.08.2009, St.Peter PortGuernsey

…St.Peter
Port, Guernsey! Das klingt schon wie eine Reise in den Süden, das gehört zu den
Routen der Weltumsegler, die aus Nordeuropa ihren Weg beginnen. Ein kleines
Eiland am Ausgang des Englischen Kanals. Hier wird es im Winter nicht so kalt
wie man es von England gewohnt ist. Der Golfstrom sorgt für Temperaturen, die
sich normalerweise über dem Gefrierpunkt halten.
Man bekommt wieder das mediterrane Gefühl, das sich schon im Ansatz in
Cherbourg angemeldet hat. Palmen, Bananen und fröhliche Gesichter (oder ist es
das Guinnes). Etwas gewöhnungsbedürftig waren die Wellen, die sich auf dem Weg
nach Guernsey bilden. Es laufen bis zu 5 Knoten Strom gegen 20 Knoten Wind.
Aber es kann ja nicht alles nur schön sein. Der Wind meint es einfach nicht so
wirklich gut mit uns. Unser Törnplan sieht jetzt einen möglichst schnelle
Überfahrt nach Brest vor, wo wir dann unserer Wetterfenster für die Biskaya in
Empfang nehmen wollen. Von dort werden wir uns sicher nochmal melden.
28.08.2009
Cherbourg

..am 27.08.2009 um 08.00 Uhr haben wir den 0° Meridian erreicht, jetzt steht
ein West und kein Ost mehr bei unseren Positionen. Nur Schade, für Champagner
war es leider noch zu früh(8 Uhr),wir stoßen mit Kaffee an! Das soll für uns
Anlass genug sein, mit den kleinen Berichten unserer Reise zu beginnen.
Außerdem haben uns heute die ersten Palmen einen Vorgeschmack auf die Zukunft
gegeben.
In Cherbourg bleiben wir die nächsten 2 Tage im Hafen, da der Wind bis auf 8
Beaufort zunimmt. Es kachelt ordentlich und wir nutzen die Zeit für eine
Stadtbesichtigung und zum Ausschlafen.
In den letzten 14 Tagen ist der Schlaf etwas zu kurz gekommen, da wir uns mit
der frühen Tide auf den Weg Richtung Süden machen mussten. Auch unser Segelboot
wurde immer mehr zum Motorboot, da wir überwiegend den Wind gegenan hatten. Das
soll sich ändern, sobald wir Brest hinter uns lassen und die Biskaya vor uns!!!
Heute haben wir das erste Schiff mit ARC 2009 Flagge im Hafen gesehen und
gleich mal Bekanntschaft geschlossen. Eine Familie mit zwei Kindern aus
Dänemark, ganz symphatisch. Das werden sicherlich nicht die Letzten auf unserer
Tour sein.
Morgen früh um 04.00 Uhr gehts weiter nach Guernsey, 40 Meilen und wir werden
"Mittelmeer-Atmosphäre" erleben und genießen.
Wir sind ganz gespannt auf die Biskaya und noch mehr auf das Wetter...